Erinnerung ist eine Form der Begegnung

Am katholischen Privat-Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar wurden seit den 1960er Jahren Schüler*innen von Angehörigen des Ordens der Hiltruper Herz-Jesu-Missionare wiederholt sexuell missbraucht. Es wird von 8 Tätern ausgegangen. Bis heute haben sich 12 ehemalige Schüler*innen offenbart. Zeugnisse Einzelner weisen auf eine deutlich höhere Anzahl hin.

Obwohl einige wussten und viele ahnten, was geschieht, hat keiner hingesehen, zugehört oder das Geschehene geglaubt. Keiner hat sich schützend vor die Kinder und Jugendlichen gestellt.

Öffentlich wurden einzelne Missbrauchsfälle erst im Jahr 2010, andere sind wahrscheinlich noch nicht einmal bekannt. Für keinen der Täter hatte dies strafrechtliche Konsequenzen. Eine umfassende Aufarbeitung ist bislang gescheitert.

 

21. September 2018 erfolgte die Übergabe des Sitzmöbels für einen Gedenkort an das Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar

Wir danken allen, die uns emotional, ideell und materiell unterstützen! Wir haben gemeinsam etwas erreicht.


Im April 2017 wurde die Initiative „Gedenkort am Johanneum“ gestartet, seitdem hatten wir für eine gemeinsame Gestaltung eines Gedenkortes geworben. Anfänglich wurden die Kontaktangebote durch die Schule und den Orden der Herz-Jesu-Missionare nicht erwidert oder abgewiesen. Nachdem der Initiativkreis seine Entschlossenheit deutlich gemacht hatte, einen Gedenkort notfalls auch ohne eine Kooperation von Schule und Orden zu realisieren, ermöglichten Orden und Stiftungsrat mit dem neuen Schulleiter Oliver Schales eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schule und Initiativkreis.

Ein vorbereitender Workshop fand am 25. August an der Hütte der Katholischen Studierenden Jugend in unmittelbarer Nähe der Schule statt. An der Einrichtung des Gedenkortes am Johanneum für die Betroffenen sexuellen Missbrauchs waren dann in den Wochen vor der Eröffnung neben der Schulleitung auch das Bistum Speyer sowie der Orden der Herz-Jesu-Missionare beteiligt.

Wir freuen uns, dass wir das für den Gedenkort entworfene Sitzmöbel der Schule am 21. September als Auftakt zu einer weiteren Aufarbeitung der Geschehnisse im Rahmen einer öffentlichen und würdevollen Veranstaltung überreichen konnten. Seinen temporären Ort hat es nun unter einem alten Baum an Rand des Schulhofes gefunden.

Initiativkreis für einen Gedenkort am Johanneum

Einige des Initiativkreises haben  1992 Abitur am Gymnasium Johanneum Homburg/Saar gemacht. Im Vorfeld unserer Feier zum 25-jährigen Jubiläum 2017 wurde uns bewusst, dass einige nicht kommen werden, weil sie hier an unserer Schule Schreckliches erlebt haben. Für eine bedeutende Zahl der Schüler*innen war es eben keine schöne Schulzeit. Viele Betroffene von sexuelllen Übergriffen am Internat des Johanneums konnten nicht vom guten Ruf der Schule profitieren, erhielten nicht die Unterstützung, die sie gebraucht
hätten.
Warum schwiegen so viele? Warum wurde nicht hingeschaut, nicht geglaubt? Warum wagten und wagen auch heute noch viele nicht darüber zu sprechen und klar Position zu beziehen? Warum gibt es keine befriedigende Aufarbeitung?
Wir wollen das Leid der Betroffenen sichtbar machen, das Vergessen verhindern und damit auch dazu beitragen, dass sich etwas Ähnliches nicht wiederholen kann.
Und so begannen wir, uns für einen Gedenkort an unserer alten Schule einzusetzen.
Für die Betroffenen, damit ihre Geschichte nicht vergessen wird, für
uns, weil es auch ein Teil unserer Geschichte ist.

Kontakt

johanneum@gedenkort.net

Janis Bikos
Michael Hackert
Tobias Hofmann
Florian Kopper
Gerhard Neumcke
Nils Ruf